Fellows

Fellow-Projekte

Derzeitige Fellows des Bucerius Lab

Das Fellow-Programm des Bucerius Lab richtet sich an digitale Querdenker, (Nachwuchs)wissenschaftler, Autoren und Künstler, die den öffentlichen Diskurs rund um Chancen, Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten des digitalen Wandels für unsere Gesellschaft bereichern möchten. Sie entwickeln im Rahmen des Programms Projekte, die kritisch und konstruktiv zu einer Debatte in den Bereichen

* Demokratie, Machtverschiebungen, Recht und Ethik
* Arbeitswelt und Innovationskultur
* Kultur, Gesellschaft und Raum

beitragen. Die Ergebnisse der Projekte werden im Rahmen des Bucerius Lab öffentlich präsentiert. Alle Fellows sind dazu angehalten, mit Ihrer individuellen Arbeit zum Lab „als Ganzes“ beizutragen, das sich als Ort des Austausches und der Vernetzung für einen kritischen Diskurs zum digitalen Wandel in unserer Gesellschaft versteht.

 

Magdalena Taube
Malte Spitz
Julian Petrin
Matthias Spielkamp und Lorena Jaume-Palasí
Johnny Haeusler

Magdalena Taube

Wer bestimmt unsere Zukunft?

 

Big Data-Technologien spielen eine zentrale Rolle in der nächsten Phase der Digitalisierung. Ein Stichwort in diesem Zusammenhang ist Prädiktion: Zukunftsvorhersagen basieren in vielen gesellschaftlichen Bereichen zunehmend auf der Erhebung von großen Datenmengen und deren Analyse. So wird Big Data sowohl für Regierungen als auch für Unternehmen enorm wichtig. Welche Bedeutung hat Big Data für die Zivilgesellschaft und für die Demokratie? Dieser Fragestellung geht Bucerius Lab Fellow Magdalena Taube in ihrem Projekt nach. Bei dem zweitägigen Workshop kommen AktivistInnen, PolitikerInnen und JournalistInnen mit ProgrammiererInnen zusammen, um diese Frage zu diskutieren und gemeinsam eine webbasierte Story zu entwickeln, die Antworten liefert.

 

Mitwirkende:
Jeff Deutschhttps://tacticaltech.org
Anna Sauerbreyhttp://tagesspiegel.de
Matt Linareshttps://www.opendemocracy.net
Mitsuhiro Takemurahttp://takemurajuku.com/
Fumi Muratahttp://www.aveclab.com/
Morana Miljanovichttp://hertie-school.org/
Sahil Deohttp://cpc-analytics.com
Krystian Woznickihttp://berlinergazette.de
Nina Pohlerhttps://www.hcu-hamburg.de/
Michael Prinzingerhttp://www.port-zero.com/

Bucerius Lab-Fellow-Projekt zu Big Data und Zivilgesellschaft

Von Magdalena Taube

 

Als ich im September letzten Jahres anfing, eine Projektidee für das im Entstehen begriffene Bucerius Lab zu entwickeln, war die Welt noch eine andere. Gefühlt zumindest. #Paris, #Istanbul und #Köln waren noch nicht passiert. Die sozialen Netzwerke waren gefüllt mit wohliger #Willkommenskultur – keine Rede von einem #Schießbefehl gegen Geflüchtete. Dieser ruhige Septembermonat war ein guter Zeitpunkt, mich zu fragen, wie ich das neu entstehende Lab bereichern könnte. Welche Fragen wirklich wichtig sind, wenn es um die Digitalisierung geht und wie wir in diesem Zusammenhang eine breite gesellschaftliche Debatte anstoßen können.

 

Digitalisierung und Internet begleiten mich bereits mein gesamtes Berufsleben: An der Uni als Forscherin, als Dozentin und als Journalistin. In den letzten Jahren gab es in all diesen Bereichen ein wiederkehrendes Motiv: Big Data. Verglichen mit den anderen aktuellen Buzzwords, so unterschiedlich wie „Industrie 4.0“ oder „Dark Net“, ist es für mich besonders spannend, weil es verschiedene Dinge auf sich vereint, die mich schon länger beschäftigen: Erstens Infrastrukturen – gibt es für die wichtigsten Nervenbahnen unseres globalen Kommunikationsgehirns eigentlich eine demokratische Kontrolle? Zweitens geistiges Eigentum und Datenschutz – wem gehören eigentlich Daten, die zu 80% von Usern ko-produziert werden? Drittens neue Analyseverfahren – wie können wir mit der neuen Unermesslichkeit der digitalen Ära fertig werden? Es war also klar, dass es um Big Data gehen sollte bei meinem Projekt.

 

Big Data und Demokratie

 

Big Data-Technologien wird nachgesagt, dass sie eine der wichtigsten Rollen in der aktuellen Phase der Digitalisierung spielen. Das große Stichwort in diesem Zusammenhang ist Prädiktion. Die Basis: Mustererkennung und Korrelation. Zukunftsvorhersagen basieren in vielen gesellschaftlichen Bereichen zunehmend auf der Erhebung von großen Datenmengen und deren Analyse. So wird Big Data sowohl für Regierungen als auch für Unternehmen enorm wichtig: Dating-Plattformen und soziale Netzwerke greifen darauf genauso zurück wie staatliche Einrichtungen zur Terrorismusbekämpfung und Stadtplanung.

 

Verpackt in Innovationsprogramme und Accelerator-Abteilungen setzt sich die Industrie intensiv mit den Potenzialen dieser Technologien auseinander. Auch staatliche Akteure legen einen ungeheuren Datenhunger an den Tag und entwickeln sich im Zuge dessen zu technologischen Pionieren. Doch was, wenn Businesses und Behörden allein den Big Data-Diskurs dominieren? Was bedeutet das für die Zivilgesellschaft und für die Demokratie?

 

Wenn sich die Prädiktionspraxis weiter verbreitet und sie das Bild der Zukunft immer stärker bestimmen, können wir dann überhaupt noch „outside the box“ denken und eigene Vorstellungen entwickeln? Welche Konsequenzen entstehen für demokratische Prozesse und für die Herausbildung einer starken, handlungsfähigen Zivilgesellschaft? Und was sind eigentlich die Potenziale von Big Data im Bereich der Zivilgesellschaft?

 

Wer bestimmt unsere Zukunft?

 

Bündelt man diese vielen Fragezeichen und verschiedenen Kontexte, bleibt Folgendes stehen: Wer bestimmt unsere Zukunft?

 

Die Ausgangsfrage will ich nicht nur mir allein stellen. Ich bringe verschiedene Big Data-ExpertInnen zusammen, um gemeinsam darüber nachzudenken. Das Ziel ist es, die Debatte um Big Data zu bereichern.

 

Bei einem Workshop auf Kampnagel in Hamburg gehen wir diese Frage ganz konkret an. An zwei Tagen kommen hier WissenschaftlerInnen, AktivistInnen, JournalistInnen und ProgrammierInnen aus verschiedenen Ländern (Deutschland, England, Japan, Indien, Kroatien) zusammen. Eine Webdoku wird die Ergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich machen. In einem zweiten Schritt möchte ich im Frühjahr zu diesem Thema ein Storytelling-Projekt entwickeln. Ein Beispiel für ein solches Projekt findet sich hier (URL: http://berlinergazette.de/are-we-up-for-anonymity/?p=1).

 

Seit dem ersten Nachdenken über mein Fellow-Projekt sind vier Monate vergangen. Und natürlich kam ich ins Grübeln: Ist das überhaupt wichtig, Big Data? Sollten wir nicht über Geflüchtete sprechen, über den Rechtsruck in Europa, über die Silvesternacht, über Terror und Krieg? Ja, das sollten wir. Und das tun wir auch. Wenn wir die aktuelle Nachrichtenlage und Hysterie kurz mal auf stumm schalten, dann können wir einen Schritt zurücktreten und hoffentlich etwas deutlicher sehen, wie gerade auch Big Data und Prognose-Algorithmen all diese Themen durchdringen. Wie genau, das werden wir im Laufe der folgenden Monate herausfinden.

 

Zum Bericht des Workshops.

Lorena Jaume-Palasí und Matthias Spielkamp

ALGORITHM WATCH – Welche automatisierten Entscheidungsprozesse müssen wir gesellschaftlich kontrollieren?

 

Rechtsstaatliche Prozesse und Autonomie des Individuums müssen auch in einer digitalisierten Welt erhalten werden, in der datenbasierte, automatisierte Entscheidungsmechanismen (Algorithmen) einen immer größeren Raum einnehmen. Damit unsere Gesellschaften in den Genuss der positiven Auswirkungen dieser Technologien kommen können, müssen Kontrolle und Rechenschaftspflichten dafür sorgen, dass persönliche Freiheiten nicht eingeschränkt und keine Entscheidungen getroffen werden, die mit unserem Anspruch an Würde, Gerechtigkeit und Autonomie nicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Diese Gefahr lauert bereits in manchen bestehenden, aber auch in künftig denkbaren Anwendungsgebieten von Algorithmen.

Eine entscheidende Frage, die für die Arbeit der im Entstehen befindlichen NGO „Algorithm Watch“ beantwortet werden muss, ist die Frage, welche Algorithmen gesellschaftlich so relevant sind, dass sie zivilgesellschaftlich beobachtet und notfalls rechtsstaatlich sanktioniert werden müssen. Hierzu forschen die Gründungsmitglieder und Fellows Lorena Jaume-Palasí und Matthias Spielkamp im Rahmen ihres Bucerius Lab Fellowships.

Meilensteine des Fellow-Projekts:

  • Erarbeitung eines Thesenpapiers Kategorisierung algorithmischer Prozesse zur Entscheidungsfindung oder –vorbereitung
  • Expertenworkshop zur Überprüfung der Kriterien (September 2016)
  • Konkretisierung der Kriterien und weiteren Arbeit

Die nächsten Ergebnisse der Fellowarbeit und die damit verbundene künftige Arbeit von „Algorithm Watch“ werden Anfang 2017 in einer öffentlichen Veranstaltung in Hamburg präsentiert und diskutiert.

Johnny Haeusler

Digitalen Grundrechtscharta von und für Jugendliche

 

Johnny Haeusler kuratiert im Rahmen seines Fellowships die Erarbeitung einer „Digitalen Grundrechtscharta von und für Jugendliche“.

Die Frage, in welcher digitalen Gesellschaft wir leben wollen, beschäftigt uns alle. Welche Rechte wollen wir für uns selbst, welche Pflichten für andere? Wie gehen wir mit den Herausforderungen um, vor die uns künstliche Intelligenzen und Roboter stellen, welche Entscheidungen wollen wir durch Algorithmen berechnen lassen – und welche nicht?

 

Im Rahmen der TINCON, dem ersten „Festival für digitale Jugendkultur“, das vom 27.-29. Mai 2016 erstmalig in Berlin stattfindet und als eine Art „re:publica für Teenager“ verstanden werden kann, nähern wir uns den Antworten auf die gestellten Fragen aus ganz besonderer, nämlich sehr junger Sicht. Um zur gesellschaftlichen Zukunft auch diejenigen zu hören, die noch sehr viel davon vor sich haben.

 

In einzelnen Workshops im Vorfeld des Events entwickelt dafür ein Gremium aus interessierten Jugendlichen einen Forderungskatalog, der auf der TINCON präsentiert und weiterentwickelt wird, um danach in einer finalen Version Entscheiderinnen und Entscheidern aus Politik, Wirschaft und Forschung vorgestellt zu werden.

 

Fellow: Johnny Haeusler

Julian Petrin

Argumentarium – Data/Polis

 

Ob Energieversorgung, Verkehrssteuerung, Sicherheit oder E-Government: Weltweit treiben Unternehmen und Regierungen die Digitalisierung urbaner Infrastrukturen und Dienste voran. Wie verändert das unsere Städte?
Welche neuen Zukunftsszenarien sind denkbar – und wie begegnet man den Sorgen angesichts der Digitalisierung? Braucht es nicht ein spezifisch europäisches Leitbild der digitalen Stadt, das sich an den Werten europäischer Urbanität orientiert statt an dem Primat des technisch Machbaren? Das Argumentarium „Data/Polis“ bringt optimistische und kritische Positionen und Szenarien der digitalen Stadt von morgen auf der Bühne in einen Widerstreit. Wer hat die besseren Argumente? Die Optimisten oder die Skeptiker? Und wie könnte ein europäischer Weg der digitalen Stadt aussehen?

Malte Spitz

Sind Daten das Öl des 21. Jahrhunderts?

 

„Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.“, ist eine oft wiederholte Aussage von Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten. Ist diese Aussage ein Heilsversprechen für neue Prosperität oder vielmehr eine Drohung? Statt sich auf das Versprechen der Wohlstandsmehrung zu konzentrieren, müssen ebenso die soziale, globale und gesellschaftliche Dimension der Datengesellschaft und die möglichen Konflikte in den Fokus der Diskussion rücken. Der Datenschutzexperte und Netzpolitiker Malte Spitz untersucht ausgehend von der umfassenden Bedeutung des Öls für das 20. Jahrhundert, wie diese Erkenntnisse für den Umgang mit unseren Daten im 21. Jahrhundert genutzt werden können. Er wird mehrere Gruppendiskussionen veranstalten und Interviews mit Expert*innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen führen und Orte der Öl- und Datengesellschaft persönlich aufsuchen. Die Erkenntnisse, Lehren und Aufgaben für den Übergang von der Ölgesellschaft zur Datengesellschaft, wird er begleitend zu seiner Arbeit bloggen und anschließend in einem umfassenden Essay veröffentlichen.

Mittwoch, 24. August 2016 / 19:30 Uhr (ca. 90 Minutzen) / Kampnagel / KX 

Derzeitige Fellows des Bucerius Lab